2.4. GRIECHENLAND

 

In Griechenland wurde bis 2020 keine spezifische nationale Strategie oder ein Aktionsplan für Menschen mit Behinderungen entwickelt (The Greek National Disability Action Plan, 2020), obwohl 10 % der Gesamtbevölkerung eine Form von Behinderung aufweisen.

Die Politik wird durch den Nationalen Strategierahmen für soziale Eingliederung (2014-2020) vorangetrieben, während die griechische Regierung das gesamte Spektrum der Themen, die die harmonische Integration von Menschen mit Behinderung in das tägliche Leben betreffen, durch eine Reihe von Rechtsvorschriften regelt.
Griechenland hat die wichtigsten internationalen Konventionen (CRPD) sowie die europäischen Richtlinien zur Barrierefreiheit ratifiziert, doch ihre Umsetzung in konkrete Maßnahmen und Aktionen ist unzureichend, was vor allem auf Vorurteile und mangelnde Informationen zurückzuführen ist.

 

Derzeitige Situation

Bildung

6,3 % der gesamten Schülerpopulation des Landes sind Schüler mit Behinderungen, wobei die überwiegende Mehrheit dieser Schüler allgemeine Schulen besucht, während 57,3 % der Schüler mit Behinderungen in allgemeinen Schulen nicht die erforderliche spezielle Unterstützung erhalten. Darüber hinaus ist das Lehrmaterial für Schüler mit Behinderungen nach wie vor weitgehend unzugänglich (z. B. gibt es in der Grundschule nur wenige Lehrbücher in Braille-Schrift).

Beschäftigung/Finanzielle Gleichstellung

Die Erwerbsbeteiligung ist nicht gleich. Die Beschäftigungsquote von Menschen mit schweren Behinderungen (21,3 %) ist im Vergleich zu derjenigen von Menschen ohne Behinderungen (62,8 %) sehr niedrig. Deshalb wurden 101 neue Strukturen für Beschäftigungsförderungszentren sowie Zentren für die berufliche Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen geschaffen. Dementsprechend bietet die griechische Arbeitsorganisation (OAED) Schulungs- und Unterstützungsprogramme für Arbeitgeber und arbeitslose Menschen mit Behinderung an, um Arbeitsplätze zu schaffen und den Begünstigten finanzielle Unterstützung zu gewähren.

Gesundheitspflege

Die griechische Regierung gewährt Menschen mit Behinderung, die bestimmte Kriterien erfüllen, wie z. B. einen hohen Grad an Behinderung und ein geringes Einzel- und Familieneinkommen, Beihilfen (finanzielle Unterstützung).  

Soziales Leben und Zugänglichkeit

Auch die Teilnahme von Menschen mit Behinderungen am kulturellen und sozialen Leben ist gering. Nur 6 % der Bevölkerung mit schweren Behinderungen haben eine archäologische Stätte oder ein Museum besucht. Daher bietet das Land Menschen mit Behinderung Freikarten für öffentliche Verkehrsmittel, Gutscheine für Sozialtourismus, mobile Bibliotheken usw. an.

Im September 2021 führte die griechische Regierung die Erfassung von öffentlichen Orten und Maßnahmen ein, um die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderung zu gewährleisten.

 

Bewährte Praktiken in Griechenland

Source: https://opeka.gr/atoma-me-anapiria/atoma-me-anapiria-paroches/
  1. Persönlicher Assistent für Menschen mit Behinderungen (2021)

Der persönliche Assistent für Menschen mit Behinderung wurde erstmals vom Ministerium für Arbeit und soziale Angelegenheiten eingeführt. Es handelt sich dabei um eine natürliche Person, die Menschen mit Behinderung auf der Grundlage ihrer individuellen Bedürfnisse unterstützt, um ihr unabhängiges Leben und ihre gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern und ihre Marginalisierung und Institutionalisierung zu verhindern. Menschen mit Behinderung können nun ihren persönlichen Assistenten mit Mitteln aus dem Recovery Fund und dem NSRP einstellen. Die Pilotumsetzung des Programms wird unter der Verantwortung von OPEKA (Organisation für Wohlfahrtsleistungen und soziale Solidarität) beginnen.

 

Source: Ο Χώρος – Liminal

2.Liminal (2016)

Liminal ist eine Kulturorganisation, die sich seit 2016 für Inklusion und gleichberechtigten Zugang zu Kunst und Kultur einsetzt. Liminal bietet allen Menschen unabhängig von einer Behinderung die gleiche Chance, aktiv an Kunst und soziokulturellem Leben teilzunehmen.

 

 

 

  1. Taktiles Museum von Athen (2004)

Das Museum wurde 1984 gegründet. Aufgrund des Erdbebens von 1999 wurde es 2004 offiziell wiedereröffnet. Es fördert die soziale und kulturelle Eingliederung durch Sinneserfahrungen. Es beherbergt Kunstwerke, die von sehbehinderten Menschen geschaffen wurden, bietet blinden und sehenden Menschen die Möglichkeit, alle Exponate zu berühren, Programme für die Ausbildung von Lehrer_innen, Repliken der gemalten Symbole, die auf einigen Exponaten verwendet werden, sowie einen automatischen Reiseführer in Griechisch und Englisch.

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